|
Helfendes Verhalten in Literatur und Film
Robin Hood und James Bond, als bekannteste Vertreter, stellen nur einen
Ausschnitt der literarischen (bzw. historischen) Personen dar, die ihrem
Wesen nach als „Helfer” bezeichnet werden können.
Der Sieg des Guten über das Böse stellt im Großteil aller Kinofilme die
Handlung, in der Literatur ist verhält es sich ähnlich. Dahinter steckt
vermutlich [1] der Wunsch des
Menschen nach einer guten und gerechten Welt.
Allen Unkenrufen zum Trotz gehen wir davon aus, dass der Mensch ein gutes
und hilfsbereites Wesen ist. Auf dieser Seite werden wir exemplarisch
Literatur und Filme aufführen, die diese Vermutung bestätigen helfen.

Johann Wolfgang von Goethe
„Das Göttliche”
Gedicht „Das Göttliche” aus
dem Jahre 1783
Edel sei der Mensch,
hilfreich und gut!
Denn das allein
unterscheidet ihn
von allen Wesen,
die wir kennen.
Heil den unbekannten
höhern Wesen,
die wir ahnen!
Ihnen gleiche der Mensch!
Sein Beispiel lehr' uns
jene glauben.
Denn unfühlend
ist die Natur:
Es leuchtet die Sonne
über Bös' und Gute,
und dem Verbrecher
glänzen wie dem Besten
der Mond und die Sterne.
Wind und Ströme,
Donner und Hagel
tauschen ihren Weg
und ergreifen
vorübereilend
einen um den andern.
Auch so das Glück
tappt unter die Menge,
fasst bald des Knaben
lockige Unschuld,
bald auch den kahlen
schuldigen Scheitel.
Nach ewigen, ehernen,
großen Gesetzen
müssen wir alle
unseres Daseins
Kreise vollenden.

Nur allein der Mensch
vermag das Unmögliche
Er unterscheidet,
wählet und richtet;
er kann dem Augenblick
Dauer verleihen.
Er allein darf
den Guten lohnen,
den Bösen strafen,
heilen und
retten,
alles Irrende, Schweifende
nützlich verbinden.
Und wir verehren
die Unsterblichen,
als wären sie Menschen,
täten im großen,
was der Beste im kleinen
tut oder möchte.
Der edle Mensch
sei hilfreich und gut!
Unermüdet schaff' er
das Nützliche, Rechte,
sei uns ein Vorbild
jener geahneten Wesen!

„Erlkönig”
Gedicht „Erlkönig” von J.W.
Goethe
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.
Du liebes Kind, komm geh' mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.
Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind.
Willst feiner Knabe du mit mir geh'n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.
Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort?
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh'es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.
Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan.
Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.

„Der
Mensch ist schlecht” – woher kommt diese Ansicht?
Betrachtet man das alltägliche Gebaren des Menschen, die Konflikte im
Kleinen, Kriege im Großen, Hunger und Elend in der Welt, dann könnte man
tatsächlich zu dem Schluss kommen, der Mensch wäre ein schlechtes Wesen,
zumindest nur auf seinen unmittelbaren Eigennutz bedacht und nicht zum
Teilen bereit.
Spricht man jedoch einen offensichtlich „schlecht” handelnden Menschen auf
sein Verhalten an, so stellt sich in den meisten Fällen heraus, dass er im
Kern mitfühlend ist und gute Züge aufweist.
Woher kommt aber diese Diskrepanz zwischen Wünschen und Handeln?
Es würde den Rahmen dieser Seite sprengen, wollten wir das menschliche
Verhalten in wenigen Sätzen erklären. Kurz zusammengefasst könnte dies aber
lauten: Die Anlagen, ein gutes Wesen zu sein, hat jeder Mensch. Im Alltag
aber muss sich jeder Mensch nach den jeweiligen Umständen richten und auch
sein Überleben sichern (obwohl das in einem Sozialstaat heute nicht mehr von
vordringlicher Bedeutung ist). Zusätzlich unterliegt er äußeren Einflüssen,
z.B. gesellschaftlichen und kulturellen Prägungen, auch die
Medienberichterstattung spielt eine große Rolle und stört unnötigerweise
aber in zunehmendem Maße das menschliche Miteinander
[2].
Wir wünschen uns deshalb,
dass jeder Mensch sich und andere als helfendes Wesen sieht, wohl
wissend, dass Abweichungen im alltäglichen Miteinander natürlich und auf
Ängste und Hilflosigkeit gegründet sind. Damit ließe sich vieles erklären,
auch das sonst so verabscheuenswürdige „Gaffen” bei Notsituationen.
Wir können mit einem einfachen Versuch jeden Menschen zum tatenlosen
Gaffer machen, dessen sollten sich diejenigen (auch Medienvertreter) bewusst
sein, die sich für unfehlbar halten. Statt einer Betonung der
Unterlassungsphänomene müssen wir uns nunmehr der Stärkung von Kompetenzen
im Notfall verschreiben und neue Konzepte entwickeln, die dazu beitragen,
dass noch mehr Menschen sich trauen, im Notfall einzugreifen
[3].

Helfendes Verhalten im Film
[Inhalt folgt]

Helfendes Verhalten in der Weltliteratur
[Inhalt folgt]

Kommentar zum Hörbild „Zivilcourage” und
Berichterstattung in den Medien über Hilfeleistung und Unterlassung
Sie können sich hier einen Hörfunkbeitrag anhören, der viele
Standardelemente der Medien-Berichterstattung über geleistete und
unterlassene Hilfe enthält.
1. Hilfeleistung ist gesellschaftlich anerkannt:
— Anmoderation: „Bayern 1, die gute Nachricht”
— Hintergrund: Auszeichnung der Helferinnen mit einer staatlichen
Sicherheitsmedaille
2. Dramatisierung:
— Berichterstattung (ähnlich einer Live-Berichterstattung) vom Ort des
Geschehens
— Protagonisten geben mit eigenen Worten ihre Erlebnisse wieder
3. Der rote Faden in der Geschichte ist nur schwer erkennbar:
— Notsituationen sind meist hoch komplex und in rundfunkgeeigneten
Zeitspannen kaum wiederzugeben. Deshalb werden oftmals wichtige Tatsachen
verändert oder gänzlich weggelassen. In dem Hörfunkbeispiel kann sich der
Zuhörer nur schwer das Geschehen vor Augen führen.
4. Empörung über andere, untätige Passanten:
— „...schockiert habe sie, dass zunächst keiner der umstehenden Erwachsenen
eingegriffen habe...”, vielleicht, weil alle anderen mit ihren
Alltagsverrichtungen vollauf beschäftigt waren?
— Sehr viele Erwachsene standen in einem Kreis um das Geschehen herum. Wenn
das wirklich so gewesen ist, könnte eine Erklärung darin liegen, dass die
Passanten, die die Vorgeschichte nicht gekannt haben, gedacht haben, dass es
sich um den Vater handelt. Und ein quengelndes Kind in einem Supermarkt ist
ja nichts ungewöhnliches, oder?
— Aufmerksamkeit erregten wahrscheinlich erst die Helfer selbst, die auf den
Mann (vermeintlichen Vater) einredeten und am Kind zerrten. Eine äußerst
undurchsichtige Situation.
Thema „Hilfe von Passanten anfordern”:
— „...hätten schon Hilfe gebrauchen können, von jemandem, der stärker ist,
als wir...”
Aus dem Beitrag geht nicht hervor, wie und ob Passanten zur Mithilfe
aufgefordert wurden. Wenn gezielte Anweisungen gegeben werden, z.B. „Holen
Sie die Polizei”, dann reagieren in den allermeisten Fällen Passanten
darauf.
5. Appell:
— Wenn doch nur mehr Menschen helfen würden, wird geseufzt.
— Sinnvoll wären aber konkrete Handlungsanweisungen: Auch bei zweifelhaften
Situationen einmischen, Notrufnummern nennen usw.
Hörbild (MPG, 0.5 MB)

Anmerkungen
[1] Zu dieser Vermutung gibt es zwar Untersuchungen, eine abschließende
Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse ist uns aber nicht möglich.
{zurück
zur Textstelle}
[2] Exzessive Berichterstattung mit reißerischem Inhalt ist zwar
verkaufsfördernd, meist jedoch nicht geeignet, Ängste zu nehmen und
prosoziales Verhalten zu verstärken. Im Gegenteil nehmen Misstrauen und
Angst zu. Als Beispiel seien hier die Fälle von Kindesmisshandlung mit
Todesfolge genannt, deren Einzelfälle ohne Frage schrecklich sind, die
objektiv gesehen aber eine abnehmende Tendenz aufweisen.
{zurück zur Textstelle}
[3] Die Zahl der hilfsbereiten Menschen bei Unglücksfällen ist, betrachtet
man diese objektiv, erstaunlich hoch. Daten und Zahlenmaterial zu diesem
Thema und eine kritische Auseinandersetzung mit Medienberichten dazu findet
sich unter dem Stichpunkt Forschung.
{zurück zur Textstelle}
|